Samstag, 22. Oktober 2016

Pictures in the Dark – Meine ersten Schritte mit der digitalen Spiegelreflexkamera

Wenn man wie ich praktische Astronomie am Teleskop betreibt, kommt man irgendwann unweigerlich an den Punkt, an dem man sich fragt, ob man die Momente am Teleskop nicht fotografisch festhalten will.
Natürlich experimentiert man schon relativ früh mit dem Smartphone (zumindest war das bei mir der Fall), und die Ergebnisse sind Stellenweise auch durchaus vorzeigbar. Dann sieht man die Bilder von etwas professionelleren Fotografen, und realisiert, dass da noch einiges mehr geht.

Vor kurzem habe ich mir die Cannon EOS 1300D zugelegt. Diese Kamera ist zwar nicht für Astrofotografie modifiziert, für erste Gehversuche ist sie aber mehr als Ausreichend.
Größter Vorteil dieser Kamera ist das W-Lan, welches

a: ermöglicht die Bilder direkt kabellos aufs Smartphone zu übertragen, und
b: die Kamera über das Smartphone fernbedienbar macht.

Gerade die letzte Option ist nicht nur für die Astrofotografie Super. Eine Kamera, die man zum auslösen nicht anfassen muss, wackelt auch nicht.


Brennweitenmonster: Cannon EOS 1300D mit 5 x Barlowlinse

Ich werde mich am Anfang meiner fotografischen Laufbahn hauptsächlich mit 2 Varianten beschäftigen. Die erste ist, die Kamera auf das Teleskop zu montieren, um das Teleskop als Stativ und später auch als elektronische Nachführung zu verwenden. Hier sind mal 2 Beispielbilder, der ersten Variante:


Die #ISS am 16.10.2016 über Oberfranken (15 Sekunden Belichtungszeit)


Starry, Starry Night (20 Sekunden Belichtungszeit)

Am schwierigsten finde ich bei solchen Bildern die Kamera scharf gestellt zu bekommen (War das gutes Deutsch? Ich hoffe einfach Mal …), weil das Display vor dem Knipsen bei solchen Objekten so gut wie keine Rückmeldung gibt. Das ist definitiv ein Punkt an dem ich arbeiten muss.

Kommen wir zur zweiten Variante. Hier wird die Kamera über einen Adapter direkt ans Teleskop geschraubt. Hier wird der Bereich den man vor die Kamera bekommt zwar sehr schmal, aber das zu knipsende Objekt wird auch sehr groß.


900 mm Brennweite für unter 300 € geht nicht? Geht doch! ;)

Der Vollmond ist durch seine extreme Helligkeit für Astrofotografie in den meisten aller Fälle zwar eher hinderlich, für erste Tests ist er allerdings Super:


Vollmond vom 16.10.2016 durch einen 130/900 Newtonspiegel

Bei solchen hellen Objekten ist das Scharfstellen zwar einfacher, aber auch da werde ich noch ein wenig üben müssen. Erstaunlich fand ich persönlich wie nah man dem Mond mit diesem doch recht „kleinen“ Teleskop kommt. Die Umkehrlinse die ich als Kameraadapter verwendet habe, scheint die Wirkung einer Barlowlinse (1) zu haben.

So weit die ersten Schritte. Mein Plan für die nächsten Schritte ist, beide Varianten an einem Teleskop mit Nachführung und längeren Belichtungszeiten auszuprobieren. Es ist mit Sicherheit ein Thema an dem ich viele Wochen, Monate, Jahre Spaß haben werde. :)

(1) Eine Barlowlinse verlängert die Brennweite des Teleskops (meist um den Faktor 2, 3, oder 5) und sorgt damit für höhere Vergrößerungen.

Kommentare:

  1. Hallo Rimi,
    meine digitale Astronomie habe ich mit der EOS 1000D begonnen, ein direkter Vorgänger deiner 1300D. Damals stand ich auch genau vor dem Problem des scharfstellens. Für die Fotografie durch das Teleskop ist das kein Problem, aber wenn man mit einem (lichtstarken) Objektiv Sternenfelder oder Kometen fotografieren will, wird es etwas schwieriger. Ich stelle das Objektiv auf manuell, suche mir ein helles Himmelsobjekt, visiere es an, vergrößere es maximal und stelle es dann scharf.

    Eine Anmerkung noch zu Deinem Teleskop: Öffnung schlägt Brennweite! Du hast ein 130/900, wow, damit kannst Du angeben, ich habe (hatte) nur ein 100/1000.

    Freue mich schon auf Deine nächsten Erfahrungsberichte.

    Gruß
    Ralf

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    1. Hallo Ralf!

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, und die Tipps! :)

      Noch fotografiere ich mit dem Standardobjektiv, welches ab Werk dabei war. Wie Lichtstark das ist, kann ich leider nicht beurteilen, weil mir (noch) der Vergleich fehlt. Aktuell bin ich eh der Meinung, dass ich mir nicht zu viele Objektive anschaffen will. Evtl. noch ein Weitwinkelobjektiv für große Sternbilder, das sollte dann aber reichen. Kann allerdings durchaus sein, dass ich das in zwei bis drei Monaten schon wieder anders sehe. ;)

      Also wenn das 130/900 schon zum angeben reicht, dann erwähne ich das 150/750 und das 200/1000, welche sich auch in meinem Fuhrpark befinden, am besten erst gar nicht … ;)

      Anyway, nochmals Danke und bis demnächst auf Twitter. :)

      Viele Grüße,
      Rimi

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  2. Hallo Rimi,

    ein Standardobjektiv reicht auch erstmal völlig aus um Erfahrung zu sammeln. Ja was rede ich da, damit kanns Du schon recht tolle Aufnahmen machen. Mach dich mal schlau in Bildbearbeitung, bin darin auch eher ein Anfänger, habe aber trotzdem schon recht tolle Ergebnisse erreicht.

    Hast Du mein Foto vom letzten ISS-Überflug gesehen mit der Milchstraße im Hintergrund? Da habe ich meine (alte) Montierung auf dem Balkon aufgestellt und in Richtung des Polarsterns ausgerichtet (PI mal Daumen). Meine Kamera, eine EOS 600D, habe ich direkt auf die Montierung befestiegt. Bei laufender Nachführung habe ich dann EIN Foto von der ISS gemacht. Das Rohbild habe ich dann noch mit einen Bildprogramm bearbeitet, da kann man noch vieles raus holen.

    Astronomische Grüße
    Ralf

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    1. Hallo Ralf! :)

      Ich habe mir schon ein wenig Fachlektüre zum Thema Fotografieren zugelegt. Bildbearbeitung hat ein eigenes Kapitel, an dass ich mich ran wage, sobald die Fotos einigermaßen gut sind.

      Ja, ich erinnere mich an das Bild. Das war Fantastisch! :)

      Wenn ich dann noch lese, dass Du nur Pi mal Daumen ausgerichtet hast, wird das Bild noch besser. Ich muss auch immer so ausrichten, weil ich in meinem Garten keine Sicht in Richtung Norden habe, wobei auch nur mein 200/1000 auf den Polarstern ausgerichtet werden muss.

      Das 130/900 hat keine Nachführung, und beim 150/750 braucht man nur 2 helle Sterne zum ausrichten, den Rest übernimmt die Elektronik.

      Es ist in jedem Fall mehr als Super, was Du aus diesem einen Bild heraus geholt hast. Dort will ich irgendwann auch mal hin. Ob ich es schaffe wird die Zeit zeigen … :)

      Astronomische Grüße zurück,
      Rimi :)

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  3. Hallo Rimi,

    ich wollte ja nicht mit meinem Bild angeben, sondern Dir nur mitteilen, dass man schon mit einfachen Mitteln gute Ergebnisse erzielen kann. Für ein paar Sekunden ist eine einfache Ausrichtung bei weitwinkligen Objektiven völlig ausreichend. Für die Nachführung habe ich meine gute alte Vixen GP-DX-Montierung verwendet, die hatte ich schon, als ich den Kometen Halley fotografiert habe. Mit ihr habe ich meine schönsten und besten Nächte verbracht *schwärm*, die kommt mit ins Grab ;-).

    Vor ein paar Jahren habe ich mir dann mein Traum zugelegt, ich sage nur: 2000 mm *snief* und GoTo-Dingens! OK, die 2000'er-Röhre hat auch nur ein Öffnungsverhältnis von 10, daher habe ich mir noch einen Reducer zugelegt, damit ich auch lichtschwache Objekte besser beobachten kann. Au verdammt, ich glaub', ich komme vom eigentlichen Thema ab.

    Wichtig ist, dass man mit der Kamera die Fotos im RAW-Format fotografiert. Damit kann man noch Jahre später beste Ergebnisse bei der Nachbearbeitung erzielen.

    Clear Skies
    Ralf

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    1. Hallo Ralf!

      Es ehrt Dich sehr, dass Du Bescheidenheit zeigst, was Dein Bild betrifft, dafür gibt es aber überhaupt keinen Grund. :)

      Oldies but Goldies … toll wenn einem die Ausrüstung über so viele Jahre hinweg die Treue hält. Ich hoffe meine Teleskope/Kamera auch sehr, sehr lange nutzen zu können.

      Du darfst sehr gerne vom Thema abkommen, ich finde so was immer sehr interessant zu lesen. Mach doch mal ein Bild von der 2000er Röhre, gerne auch auf Twitter. Equipmentjunkies wie ich finden so was toll! :) ;)

      Raw-Format hab ich bei meinen allerersten Versuchen ausprobiert (die so ziemlich alle für die Tonne waren) und anschließend festgestellt, dass ich (noch) kein Programm auf dem Rechner habe, mit dem ich sie öffnen kann. Aber da wird mir die Lektüre, die ich mir zugelegt habe bestimmt gute Ratschläge geben.

      Clear Skies,
      Rimi :)

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  4. Hallo Rimi,

    ich nutze für die Raw-Bildbearbeitung "Corel AfterShot Pro 3", es kostet aber ca. 65 €. Kostenlos gibt es das sehr umfangreiche Programm "RawTherapy". Kennst Du Stacking? Ich verwende dazu "RegiStax".

    Eine kleine Anmerkung noch zu meiner Vixen GP-DX-Montierung.
    Wenn man mich mitten in der Nacht im Tiefschlaf aufweckt und anschreit: "WARUM STEHT DAS TELESKOP NICHT PERFEKT AUSGERICHTET DRAUSSEN?". Nach spätestens 5 Minuten steht es dort, perfekt ausgerichtet. Danach, nachdem ich langsam wach werde, frage ich mich "Wo bin ich hier?" ;-). Damit soll dieses Thema auch abgeschlossen sein.

    Wünsche uns allen
    Clear Skies
    Ralf

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    1. Hallo Ralf!

      Danke für die vielen Empfehlungen! Wenn es nötig ist, investiere ich auch ein paar Euro in die Software, daran soll es nicht scheitern. Stacking kenne ich bis jetzt nur vom hören, aber sehen wir es mal so: Heute vor einem Jahr wusste ich noch nicht mal was ein Okular ist, weil ich bis dato „nur“ Fernglasbeobachter war, bzw. nur ein Tischteleskop mit 4 (?) fest einstellbaren Vergrößerungen hatte. Heute in einem Jahr bin ich vielleicht schon Profifotograf … ^^ ;)

      Wenn mich jemand in der Nacht anschreit, hat er eine gebrochene Nase … :D Nein, Scherz beiseite, ich weiß was Du meinst. Da will ich irgendwann auch hinkommen. Aktuell brauche ich noch viel Zeit fürs Ausrichten, aber es ist längst nicht mehr vergleichbar mit dem Zeitaufwand beim ersten Mal. Irgendwann schaffe ich es vielleicht auch in 5 Minuten.... :)

      Clear Skies,
      Rimi

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  5. Hallo Rimi,

    das mit dem Ausrichten war auch nicht ganz ernst gemeint. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass ich doch manchmal überrascht bin, wie schnell ich mein neues Teleskop ausrichten kann (GoTo).

    Mich würde jetzt aber mal interessieren, in welchem Abstand Du Dir Deine Teleskope zugelegt hast! Am besten noch ein Astro-Lebenslauf, also Interesse, wann kam das erste Teleskop, wann das zweite und warum etc.?

    Mein Astro-Lebenslauf:
    ca. 1984 - Erstes Teleskop vom ehem. Schuhlkumpel gekauft; 600 mm glaube ich, aber ohne Motor für die Nachführung. Leider nicht mehr in meinem Besitz.
    ca. 1987 - Vixen GP-DX 100/1000, elektr. Nachführung in Rektaszension, Nachführung in Deklination kam etwas später. Das Besondere an diesem Teleskop war, ich habe es mir wegen dem Kometen Halley gekauft! Kürzlich habe ich die Montierung aufrüsten müssen, da der Controller sich verabschiedet hat. Der neue Controller inkl. beider Motoren haben mich ca. 350€ gekostet. Dafür kann ich es jetzt mit einem Autoguider steuern.
    2013 - Das Monster ist da, ein 2000 mm Ding! Die Teleskope/Montierungen habe ich in den früheren Jahren immer als Nachführung für die Fotografie verwendet, aber dieses Teil, ... man, so habe ich die Planeten noch nie gesehen, einfach geil!

    So, dass soll's erstmal sein.

    CS
    Ralf

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    1. Hallo Ralf!

      Vielen Dank für den sehr interessanten Einblick in Deinen astronomischen Werdegang. :)

      Wie ich bereits auf Twitter angekündigt habe, werde ich meinen astronomischen Lebenslauf als Blogeintrag veröffentlichen. Leider habe bin ich dieses Wochenende damit nicht ganz fertig geworden. Ich hoffe einfach mal darauf, dass ich ihn bis zum Feiertag am Dienstag fertig kriege.

      Viele Grüße, und Clear Skies,
      Rimi :)

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  6. WIE FEIERTAG??? Ja Okay, sei den Bayern gegönnt und Dir als Franke (ist dach so, oder?) auch ;-).

    Mach' Dir keinen Stress, was bringt es Dir einen Blog schnell zu veröffentlichen und niemand ließt ihn in den nachsten Wochen? Laß die Leser zappeln!

    Mich freut es besonders, dass ich Dir ein neues Thema für einen neuen Blogeintrag liefern konnte. Meine speziellen Interessen an der heutigen Astronomie sind relativ einfach. Digitale Fotografie mit meiner Canon EOS. Für die Nachführung habe ich jetzt eine ZWO 120 oder so. Habe leider noch nicht viel Erfahrung damit, da das Wetter ... ;-). Auch in der Nachbearbeitung der Fotos inkl. stacking bin ich auch erst ein Laie.

    Meine nächsten Astro-Projekte sind: Aufnahmen von M31, M33, Plejaden mit meinem lichtstarken 135 mm Objektiv zu machen, aber auch mit einem normalen 200 mm Objektiv, das habe ich schon seit Jahrzehnten, günstig gekauf aber nie verwendet.

    Ich freue mich aber besonders über Deine Erfahrung mit deiner geilen EOS 1300D Kamera! Sie ist nicht billig, sondern günstig!

    Herzliche Grüße
    Ralf

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