Mittwoch, 2. März 2016

First Light (6.2.2016) und Second Light (27.2.2016) – Meine ersten Beobachtungen mit dem Skywatcher N 130/900 Explorer EQ-2

Seit mehr als einem Monat stand mein Zweitteleskop zwar aufgebaut, aber ungenutzt als Staubfänger im Treppenhaus. In den späten Nachmittagsstunden des 6.2. war es dann endlich so weit. Das Wetter stimmte, und ich hatte Zeit … leider 2 Sachen, die in dieser Kombination nur selten zusammen kommen.

Das Teleskop

Ich möchte hier nicht mit Fachbegriffen und technischen Daten langweilen, wer daran interessiert ist, möchte sich Bitte dort umschauen: Teleskop

Aufgebaut hatte ich das Teleskop bereits im Dezember ohne jede Hektik bei Tageslicht. Das ist übrigens etwas, dass ich vor allem Anfängern rate, die so etwas noch nie gemacht haben. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang frohen Mutes den Karton öffnen, und mit dem Aufbauen beginnen, kann unter Umständen richtig in die Hose gehen. ;)

Wenn man Handwerklich nicht total ungeschickt ist, ist der Erstaufbau in 30 – 45 Minuten erledigt. Hat man genug Platz, sollte man die Montierung mit Stativ aufgebaut stehen lassen. Dann ist jeder weitere Aufbau in ca. 5 Minuten passiert. Ich persönlich nehme beim Abbau nur das Teleskop selber aus der Montierung, alles andere wird im aufgebauten Zustand gelagert. Das spart Zeit, und Nerven (wer schon mal bei Temperaturen unter 10 Grad Schrauben auf bzw. zu gedreht hat, versteht mich) ;)

Die mitgelieferten Okulare sind für eine Erstbeobachtung ausreichend, das gesamte Potenzial des Teleskops lässt sich damit aber nicht ausschöpfen. Mit diesem netten  Okularset bleiben aber fürs Erste keine Wünsche mehr offen.


Alle Systeme auf „GO!“ für die Erstbeobachtung

Die erste Beobachtung am 6.2.2016

Ich hatte mir für die erste Beobachtung viel vorgenommen: Plejaden, Orionnebel, Pferdekopfnebel und Jupiter standen auf meiner Wunschliste. So weit die Theorie.
Vor der Praxis steht jedoch das Aufsuchen der Objekte.

Plejaden und Orionnebel waren mit bloßem Auge sichtbar, was das Ausrichten zwar leichter macht, aber längst nicht vor „Trial and Error“ schützt. Es ging an diesem Abend also etwas Zeit ins Land, bis ich die einzelnen Objekte auf meiner Wunschliste abhacken konnte. Außerdem war und bin ich noch relativ unerfahren, was die Okularnutzung angeht, auch hier gab es in dieser Nacht einige Versuche, bis ich das für mich richtige Okular gefunden hatte. Die Kälte sorgte zusätzlich dafür, das ich immer wieder Pausieren musste.
Anyway, ich konnte der Reihe nach die Plejaden (mein erstes 'Woah! Geil!' - Erlebnis mit diesem Teleskop) Orionnebel (gibt es eine Steigerung von 'Absolut Beeindruckend'?) abhacken.

Der Pferdekopfnebel bereitete etwas Mühe beim auffinden, da er mit bloßem Auge nicht zu sehen ist. Es ist in solch einem Fall nie verkehrt, wenn man etwas häusliche Vorbereitung betreibt, damit man zumindest ungefähr weiß, wohin man sein Teleskop richten muss.

Eine beliebte Methode dafür ist das sogenannte Starhopping. (Dabei sucht man sich einen Stern oder eine Sternkonstellation in der Nähe des Objekts, und hangelt sich von dort aus zum Objekt der Begierde)

Im Falle des Pferdekopfnebels ist es relativ einfach. Man sucht den linken Gürtelstern des Orions, und geht mit der Feinjustierung des Teleskops langsam nach unten. Ich hatte allerdings das berühmte Anfängerglück: Beim Aufsuchen des Gürtelsterns hatte ich den Pferdekopfnebel plötzlich im Teleskop (an dieser Stelle dürft ihr Euch vorstellen, wie ich einen Freudentanz um das Teleskop aufführe ;) )


Im Winter auch mit bloßem Auge ein wunderschöner Anblick: Orion

Nachdem ich den Anblick des Pferdekopfnebels genossen hatte, wagte ich noch einen kleinen Test: Ich richtete das Teleskop auf Sirius um zu sehen, ob das Teleskop in der Lage ist Sirius als Doppelstern aufzulösen. Lange Rede kurzer Sinn: Es geht nicht, ich hatte es aber bei einem Teleskop dieser Größe auch nicht unbedingt erwartet.

Nach einer längeren Pause wollte ich mir noch Jupiter zur Brust nehmen, brach diesen Versuch allerdings ab. Ich hätte entweder bis weit nach Mitternacht warten müssen, mit der Gefahr, das meine Beobachtung ständig durch Äste meines Nussbaums gestört wird, oder ich hätte das Teleskop versetzen müssen. Ich entschied mich auch Aufgrund der Kälte es für diesen Abend gut sein zu lassen, und beendete den ersten Beobachtungsabend.



Die zweite Beobachtung am 27.02.2016

Am 27.02. war es dann wieder so weit. Das Wetter passte, und ich nutzte das schöne Wetter am Nachmittag, um das Teleskop aufzustellen. Ich hatte schon in der Nacht zuvor klaren Himmel, und konnte mir deshalb schon frühzeitig Gedanken machen, wo der beste Platz für das Teleskop ist. Ich hatte ausschließlich Jupiter auf meiner Wunschliste, weswegen ich keine Kompromisse bei der Aufstellung eingehen musste. Aufstellen, Okularhöhe prüfen, Passt, warten bis Jupiter am Himmel zu sehen ist.


Heute Nacht isser Fällig! Alle Systeme auf „GO!“ für Jupiter

Gegen 22.30 Uhr war es dann so weit. Jupiter stand wie eine Miniaturausgabe des Vollmonds am Himmel, und wartete nur darauf von mir bewundert zu werden. Der mittlerweile gefrorene Tubus meines Teleskops machte mir aber klar, das ich nicht länger als 30 – 45 Minuten beobachten würde.

Anyway, ich stellte das Teleskop scharf, suchte Jupiter auf, fand ihn, und war das erste Mal ein wenig enttäuscht. Okay, die 4 galiläischen Monde waren schön zu erkennen, und ich konnte während der Beobachtung unter anderem sehen, wie Io hinter Jupiter verschwindet, aber ich hatte doch erwartet, das ich Jupiter etwas größer sehen würde, als das dann tatsächlich der Fall war.

Unterm Strich ist es eben ein Teleskop für unter 300 €, da muss man dann auch seine Erwartungen auf einem realistischen Level halten. Als die erste Enttäuschung verflogen war, hatte ich dennoch einen zwar kurzen, aber schönen Beobachtungsabend.


Ähm … Ja …

Fazit

Fürs Geld auf jeden Fall ein gutes Teleskop, mit dem man als Anfänger glücklich wird, wenn man keine Wunder erwartet. Für die Zukunft möchte ich es auch mal an der Sonne testen (ACHTUNG! BEOBACHTET DIE SONNE NUR MIT DAFÜR VORGESEHENEN FILTERN! SETZT EUER AUGENLICHT NICHT AUFS SPIEL, AUCH NICHT FÜR EINEN KURZEN TEST!) und damit evtl. auch mal auf einen Berg hier in der Umgebung fahren, und dort einen Beobachtungsabend veranstalten.

 
Kleines Update 23.04.2016

Mit der Zeit lernt man sein Equipment besser kennen, und kauft auch das ein oder andere Neu dazu.

Ich habe Heute mit einer 2fach Barlowlinse und einem 9 mm Okular (mit dieser Kombination ergibt sich rein rechnerisch eine 200fache Vergrößerung, was so ziemlich das Maximum des Teleskops darstellt) Jupiter erneut angepeilt, und das Ergebnis war mehr als Ordentlich.

Ich konnte sehr schön die verschiedenen Wolkenbänder erkennen, und auch die Vergrößerung war für ein Teleskop dieser Größenordnung und Preisklasse schwer Okay. :)

Außerdem habe ich in der Zwischenzeit das Teleskop zum Fotografieren benutzt. Mein Galaxy S5 diente hierbei als Knipsmaschine, die ich Freihändig ans Okular hielt.

Ich denke, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen:

 Mond vom 15.04.2016 kurz vor 21 Uhr