Mittwoch, 28. September 2016

Heute vor einem Jahr: Meine erstes astronomisches Ereignis mit „professionellem“ Equipment #Flashback

Mein Twitterfreund Ralf Kösling hat mich gerade daran erinnert, dass Heute vor einem Jahr meine erste geplante Astronomienacht stattgefunden hat.

Am 28.09.2015 fand eine totale Mondfinsternis statt, und ich hatte das Glück, nicht nur Urlaub zu haben, sondern auch Equipment zu besitzen, mit dem ich die Mondfinsternis um einiges besser, als mit bloßem Auge beobachten konnte.


Mein damaliges Equipment (Nein, nicht das Bier, das Teil links daneben ;) )

Ich weiß nicht mehr genau zu welcher Uhrzeit das ganze Stattgefunden hat, ich weiß nur noch, dass es eine Zeit war, zu der man entweder noch wach ist, oder ins Bett geht, oder tief und fest schläft. Auf keinen Fall war es eine Zeit, zu der man sich einen Wecker stellt, und das Bett verlässt (Es sei denn, man ist Bäcker, oder Zeitungsausträger, oder Werwolf, etc.)

Es war also mitten in der Nacht, als ich mit dem Fernglas nach draußen ging. Das Erste, was mir auffiel, war die extreme Dunkelheit, die es in dieser Mondphase (Vollmond) gar nicht hätte geben dürfen. Ich konnte Problemlos die Milchstraße und den Orionnebel mit bloßem Auge sehen.

Ich lief die 15 Meter in den Garten, und da stand er am westlichen Nachthimmel: Der Blutmond! * dramatische Musik *
Scherz beiseite. Es war in jedem Fall ein atemberaubender Anblick. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er im Fernglas aussah: Er hatte ein sehr plastisches, fast künstlich wirkendes Aussehen, welches durch die vielen Sterne, die um ihn herum durchs Fernglas sichtbar waren, noch zusätzlich verstärkt wurde.

Das Foto, dass ich mit meiner 100€ Digicam geschossen habe, fängt das nicht Annähernd ein.


Mondfinsternis am 28.09.2015

Anyway, es war ein tolles, und hoffentlich nicht einmaliges Erlebnis. Das Einzige, was ich im Nachhinein bedauere ist, dass ich damals noch kein Teleskop hatte, welches dieses Ereignis mit Sicherheit noch ein wenig beeindruckender gemacht hätte.

Beobachtungsprotokoll vom 27.09.2016

Hinweis: Dieses Beobachtungsprotokoll ist in erster Linie für mich selbst. Ich stelle es dennoch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Vielleicht findet der ein oder andere ja Interessant, womit ich meine Nächte verbringe … ;)

Ort: Rimis Castle - Backyard
GoTo: Nope
Ausrichtungsstern: Deneb (diente lediglich zum Überprüfen, ob mein Lichtpunktsucher noch passt)
Seeing (Schulnoten): 2
Okulare/Filter: 40mm Superplössl (damit hat man an diesem Teleskop zwar „nur“ 25-fache Vergrößerung, aber ich mag dieses „Fernglasfeeling“)
Beobachtete Objekte: Albireo, NGC 457, NGC 884 & 869, Algol, Almaak, NGC 752, M15, Wega mit E1 Lyr & 4Lyr A, M45
Bilder: Nope … nur ein Bild vom Arbeitsgerät ;)


Ich bin immer wieder begeistert, wie viel Spaß ein Teleskop für unter 300€ bringt :) (Keine Angst, die Augen meines Hundes leuchten nur im Dunkeln) ;)
Cam: Galaxy S5
Anmerkungen/Notizen: Ich wollte zwar im Urlaub meistens mit meiner „Sternwarte“ (Skywatcher 200/1000 Newton mit Go-To) arbeiten, jedoch waren mir die Vorhersagen für diesen Abend zu unsicher. Als klar war, dass es Klar bleibt, war es zu Dunkel um das Monster noch aufzubauen.

Es war aber einfach zu schön, um nicht zu beobachten, weswegen ich mich für eine Old-School-Beobachtung mit dem kleinsten Teleskop meines Fuhrparks entschieden habe. Unterstützung bekam mein Teleskop diesmal durch mein neues Monokular von Omegon.

Bedingt durch die Tatsache, dass ich diesmal ohne Go-To gearbeitet habe, konnte ich den dunkelsten Standort auf meinem Grundstück nutzen. (1) Ich sehe von dort aus zwar nur einen sehr schmalen Bereich des Nachthimmels, bin aber komplett von störenden Lichtquellen abgeschirmt.

Das Arbeiten mit Teleskop und Monokular in Kombination war Neu für mich, aber extrem Interessant, und bestimmt nicht das letzte Mal. Ich hatte mir eine kleine Liste geschrieben, die ich wie folgt abarbeitete: Objekt von der Stellarium-App anzeigen lassen, mit dem Monokular aufsuchen und betrachten, anschließend im Teleskop einstellen und intensiv beobachten.

E1 Lyr & 4Lyr standen nicht auf meiner Liste. Mir ist dieser Doppelstern ein paar Tage zuvor beim ersten Test des Monokulars aufgefallen. Er ist definitiv einen Besuch mit dem Teleskop wert.

Ebenfalls einen Besuch wert ist Albireo (ja, ich weiß, den hatte ich schon mehrmals im Programm, aber ich kann mich einfach nicht satt sehen, an diesem wunderschönen Doppelstern) Er sieht bereits im Monokular/Fernglas toll aus. Hier ist eine kleine Auffindhilfe, erstellt mit Stellarium.


Noch steht das Sommerdreieck hoch am Himmel. Schnappt Euch ein Fernglas, geht raus, und findet Albireo! :)

Toll war auch, endlich wieder die Plejaden (M45) beobachten zu können, auch wenn ich bis nach ein Uhr warten musste, bis sie hoch genug für das Teleskop waren. Mit dem Monokular hatte ich sie schon um kurz nach 12 beobachtet.

Fazit: Ja, ein Beobachtungsabend ohne Go-To ist Arbeit. Auch wenn ich nicht alle Objekte, gefunden habe, die ich auf meiner Liste hatte, ist es eine Arbeit, die Spaß macht und in Zusammenarbeit mit einem Monokular um einiges leichter wird. Mit Sicherheit nicht mein letzter Old-School-Beobachtungsabend. :)

(1) Beim arbeiten mit der Go-To-Steuerung muss ich bei der Wahl des Standorts darauf achten, dass die Sterne, die ich zum Ausrichten brauche, nicht durch Häuser, Bäume etc. verdeckt sind.

Sonntag, 11. September 2016

Beobachtungsprotokoll vom 10.09.2016

Hinweis: Dieses Beobachtungsprotokoll ist in erster Linie für mich selbst. Ich stelle es dennoch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Vielleicht findet der ein oder andere ja Interessant, womit ich meine Nächte verbringe … ;)

Ort: Rimis Castle – Unterer Garten „Akira Road“
Teleskop: Orion Starseeker 150/750 GoTo
GoTo: Jep.
Ausrichtungssterne: Arktur, Deneb;
Seeing (Schulnoten): 3-
Okulare/Filter: 6mm, 9mm, 15mm, 20mm, 23mm, 40mm, regelbarer Polarisationsfilter (Mond)
Beobachtete Objekte: 61 Cygnus, Albireo, M31, M34, M103, NGC869 & NGC884, M15, Mond
Bilder:


Ich habe lediglich die Spiegelung des Teleskops rückgängig gemacht, ansonsten ist das Bild unbearbeitet

Cam: Samsung Galaxy S5
Anmerkungen/Notizen: Eigentlich eine Schnapsidee in dieser Mondphase Deep-Sky-Objekte zu beobachten, aber ich hatte eine Liste, die ich schon seit ein paar Wochen abarbeiten wollte.
Von Albireo und dem Doppelcluster (NGC869 & NGC884) kann ich seit meinem Besuch auf der Hohen Geba (Klick) einfach nicht genug bekommen.
Von der M31 war ich heute ein wenig enttäuscht, was aber an meinem gewählten Standort lag. Das Seeing wurde nicht nur durch den Mond, sondern auch durch eine Straßenlampe beeinträchtigt.
M34 und M15 sind auf jeden Fall einen weiteren Besuch bei besserem Seeing wert.
Bei den Objekten in der Nähe des östlichen Horizonts konnte ich einige Satelliten (?) beobachten.

Sonntag, 4. September 2016

One of these Nights – Ein Besuch im Sternenpark Rhön auf der Hohen Geba

Was sind Sternenparks eigentlich?

Als Hobbyastronom gibt es für mich nach Sonnenuntergang meist nur eine Blickrichtung, und die lautet „Oben“. Dass ich dabei nicht gegen Laternen laufe, hat einen ganz einfachen Grund: Die Dinger geben viel künstliches Licht ab, und stören meinen Blick auf den Nachthimmel.

Ich wohne in einer sehr ländlichen Gegend, und habe das Glück, dass hier kaum bzw. nur wenig künstliches Licht eingesetzt wird. In Städten ist das dagegen anders. Hier steht alle paar Meter etwas, dass künstliches Licht abstrahlt. Dass dies nicht besonders toll ist, erkennt man, wenn man wie ich den direkten Vergleich ziehen kann.


Richtig, die funktionieren anders, aber eine tolle Idee wäre das schon … :)

Bis vor ein paar Jahren habe ich immer mal wieder in einer Stadt mit etwa 25.000 Einwohnern übernachtet. Wenn ich dort im Winter das Sternbild Orion betrachtete, dachte ich immer „Nanu … da fehlt doch was ...“ Während ich in meinem Garten problemlos den Orionnebel sehen kann, ist er in größeren Städten schlicht und einfach nicht vorhanden, vom herrlichen Anblick den die Milchstraße im Spätsommer bietet mal ganz zu schweigen.

Dass es auch anders geht, zeigen Sternenparks wie z.B. die Rhön. Dort wird auf künstliches Licht so weit wie möglich verzichtet, und dort wo es nötig ist, wird es zielgerichtet eingesetzt. Eine Straßenlaterne sollte den Boden ausleuchten, und nicht den Nachthimmel mit Licht verschmutzen.

Die Location und der Verein

Im April 2016 war ich das erste Mal zur Eröffnungsfeier der dortigen Beobachtungsplattformen auf der Hohen Geba vor Ort. Die Location ist sehr abgelegen, direkt vor Ort befindet sich allerdings eine Gastwirtschaft, die zu meiner großen Freude auch vegane Speisen anbietet.

Die Beobachtungsplattformen bieten eine fantastische Rundumsicht in die thüringische, hessische und bayrische Landschaft. Die hohe Geba ist nicht nur deswegen auch Tagsüber einmal einen Besuch wert (unbedingt Fernglas einpacken!), sondern auch wegen des sehr informativen Planetenwegs der vom Verein Sternenpark Rhön e.V. (Klick) angelegt wurde.


Eine der 8 Informationstafeln des Planetenwegs, mit Bildern, die man nicht überall zu sehen bekommt

Der Verein besteht aus sehr engagierten, hilfsbereiten Mitgliedern, die sich nicht nur zum Sterne beobachten treffen, sondern auch geführte Touren durch den nächtlichen Sternenhimmel anbieten. Ein dafür vom Bürgermeister eigens gespendetes Teleskop sei hier noch lobend erwähnt.

Wer eine Beobachtungsplattform nutzen will, sollte sie auf dieser Seite (Klick) reservieren. Die Nutzung ist kostenlos. Wer keine Plattform ergattern kann, hat dennoch die Möglichkeit sein Teleskop neben die Plattformen, oder auf die nahe Wiese zu stellen.

Der Beobachtungsabend

Am 6.8.2016 war es dann endlich so weit. Ich konnte mir ein paar Stunden Zeit nehmen, und die hohe Geba mit Teleskop besuchen. Mein 150/750 Newtonspiegel von Orion, welches hier schon mal gute Dienste geleistet hat (Klick), war Aufgrund seiner kompakten Bauweise und seiner Go-To-Steuerung meine erste Wahl. Am Ziel konnte ich dann die schmale Sichel des zunehmenden Mondes nutzen, um erste Teleskopeinstellungen und erste Tests zu machen.

Bald zeigten sich auch schon die ersten Sterne, und ich konnte Wega und Arktur nutzen, um meine Go-To-Steuerung startklar zu machen. Saturn war dann so Nett die Wartezeit bis zur vollkommenen Dunkelheit zu überbrücken.


Mein Teleskop (rechts) befand sich in bester Gesellschaft :)

Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang bot sich dann ein schon mit bloßem Auge fantastischer Anblick! Die Milchstraße zog sich von Norden nach Süden über den kompletten Nachthimmel (etwas dass ich in dieser Form so Zuhause nicht zu sehen bekomme).

Ich hatte mir daheim ein paar Sachen zum beobachten heraus gesucht, beschloss aber dann, dass ich in der zur Verfügung stehenden Zeit, so viel wie Möglich sehen will. Go-To-Teleskope bieten die Option „Deep Sky Tour“. In dieser Einstellung verwandeln sie sich dann in virtuelle Fremdenführer, die einem alles sehenswerte auf Knopfdruck zeigen. Das ganze erinnert dann ein wenig an einen japanischen Touristen auf Europareise (alle Sehenswürdigkeiten in 2 Wochen). Bei mir war es dann „Das Universum in 2 Stunden …“ ;)

Anyway, ich konnte auf diese Weise in kurzer Zeit eine Menge beobachten. Highlights waren die Andromedagalaxie (M31 – geht dort übrigens auch mit bloßem Auge), der Doppelcluster im Perseus (NGC 869 und NGC 884) und ein Doppelstern, dessen Name mir gerade nicht ein einfällt *Asche auf mein Haupt* (1)

Fazit

Für Teleskopbesitzer ist die Hohe Geba auf jeden Fall ein Muss, aber auch Menschen die sich an einem „unberührten“ Nachthimmel erfreuen können, werden hier fündig. Der Planetenweg, die Gastwirtschaft und die Angebote des Vereins (Sternenwanderungen etc.) machen aus der Location eine runde Sache. :)


Sonnenuntergang auf der Hohen Geba

Bedanken möchte ich mich bei @Sternenpark (Klick), @stwmgn (Klick) und nicht zuletzt bei @asdromeda (Klick), für ihre Gastfreundschaft und speziell bei Asdromeda, für die nette Abendführung und die tollen Erklärungen. Ich habe eine Menge mitgenommen an diesem Abend, und es war bestimmt nicht mein letzter Besuch. 

 (1) Dank dem tollen Gedächtnis von Asdromeda kann ich Euch nun mitteilen, dass der Doppelstern Albireo (Beta Cygni) im Sternbild Schwan war. :)